Michelangelo schenkte neben obiger Zeichnung auch das Gemälde
seiner Bekannten Vittoria Colonna. Diese wandte sich nach dem Tode
ihres Mannes religiösen Themen der Reformation zu, und bekam dabei
Unterstützung vom englischen Kardinal Reginald Pole, Erzbischof von
Canterbury und Cousin von Henry VIII. Ihm hat sie angeblich das
Gemälde geschenkt. Als Reginald Pole 1558 starb, gelangte es nach
Ragusa (heute Dubrovnik) zum Priester Crisostomo Calvini, der 1564
zum dortigen Erzbischof ernannt wurde. Nach dessen Tod 1575 wurde
die Pietà von der wohlhabenden - und sehr katholischen - Familie
Gozzes gekauft, angeblich um die Schulden des Gottesmanns zu
bezahlen. Es blieb zumindest bis 1840 in deren Besitz.
Die Verbindung zu den Vorfahren von Martin Kober stellte sich wie
folgt heraus. Als die Gräfin Nicoletta Gozze, Witwe des letzten
Stammhalters der Familie Gozzi, den deutschen Protestanten (!)
Augustus von Lichtenberg in Ragusa (mit Dispens!) heiratete,
hinterliess sie ihm bei ihrem Tod 1847 die Pietà. Lichtenberg heiratete
danach die deutsche Baronesse Johanna von Lilien, welche nach
seinem Tod 1877 das Gemälde behielt und es einer Freundin ihrer
Mutter, einer gewissen Baroness Villani, verkaufte. Diese schickte es
zur Veräußerung 1883 in die USA, wo es ausgestellt wurde, u.a. 1885
in der Met, aber unverkauft blieb. 1901 überliess sie das Bild ihrer
Hofdame Gertrude Young, die es ihrerseits 1905 ihrem Schwager
Martin Jeejer in den Vereinigten Staaten überliess.