"Dürer-Hörnlein"
Lebende Exemplare waren in Europa bis weit in das 19.
Jahrhundert eine Rarität. Auch weil sie den Transport
oftmals nicht überstanden oder nach kurzer Zeit in
Gefangenschaft starben. Künstler hatten deshalb kaum
Möglichkeit zur lebendigen Anschauung. Die Wende brachte
ein Weibchen namens Clara. Es kam 1741 aus Afrika nach
Rotterdam und tourte 17 Jahre durch Europa, bis es 1758 in
London verstarb.
Clara wurde auf zahlreichen Gemälden verewigt. Sie löste
das bis dahin von Dürer geprägte Bild ab. In Meissen
reagierte man prompt und adaptierte das Modell kurz nach
ihrem Gastspiel in Dresden Ende der 1740er-Jahre. So ganz
verschwand Dürers Nashorn trotzdem nicht, erkennbar an
einem Detail. Dort, wo am Rücken sonst ein Haarbüschel
wächst, hatte er dem Nashorn ein zweites, kleines Horn
verpasst. Dieses findet sich etwa auf den Nashörnern, die
zwei in das 19. Jahrhundert datierte Paneele aus Scagliola
(Stuckmarmor) zieren, die 2012 bei Sotheby's für 18.750
Pfund den Besitzer wechselten. 2013 gelangte bei Christie's
in New York ein Erstabzug des legendären Holzschnittes von
1515 zur Versteigerung und erzielte stattliche 866.500 Dollar
(641.210 Euro): bis heute der gültige Auktionsweltrekord für
ein Werk Dürers. (kron, 13.8.2018)
Das in Scagliola-Technik (Stuckmarmor) gefertigte
Panelenpaar orientieren sich eindeutig am Dürer-Vorbild
und wurde 2012 bei Sotheby’s in London für 18.750 Pfund
versteigert.