Granada 2010
Alhambra Fliesen
Granada
2010
Die Mosaike in der Alhambra sind großartig. Ihre Symmetrie und Farben sprechen kunstaffine
Wissenschafter besonders an. Das Mosaik hinter Brigitte inspiriert vor allem Kristallographen wie
mich. Das planare Muster zeigt nämlich gewisse Symmetrien. Aber welche?
Dazu folgende Begriffsklärung. Unter Symmetrie versteht man eine geometrische Operation (z.B.
Drehung, Spiegelung) die das Objekt unverändert erscheinen lässt. Bei einer 12-zähligen
Symmetrieachse etwa geschieht dies bei einer Drehung um 360:12=30°, wie beim Löwenbrunnen -
der zum Kühlen der Emire diente - nachvollzogen werden kann. Bei einer Symmetrieebene
erscheint das Objekt durch Spiegelung unverändert.
Frage an die werte Leserschaft: welche Symmetrien entdeckt ihr auf dem Mosaik hinter Brigitte? *)
Die Handwerker der Mudejaren haben schon was gekonnt, zumindest jene die nach der
Reconquista in Spanien bleiben durften... bis sie entweder zum Christentum konvertieren oder das
Land verlassen mussten.
Ornamentik und Verzierungen unterlagen damals religiösen Einflüssen und fanden auch in
Mosaiken von Moscheen (Cordoba) und Kirchen (Monreale) fruchtbaren Niederschlag.
Bemerkenswert sind die Strukturen im Darb-i-Imam-Schrein in Isfahan, die den viel später
entdeckten Quasikristallen verblüffend ähneln und einen seltenen Fall der Vorwegnahme
von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch künstlerisches Schaffen darstellen.
Die Frage drängt sich auf ob das Ausmaß der Fertigkeit der Mudejaren auch ohne das muslimische
Verbot, Menschen und Tiere darzustellen, erreicht worden wäre.
*) Eine 4-zähliche Symmetrieachse und 4 Spiegelebenen senkrecht dazu, im Kristallographen Jargon p4mm Symmetrie
Löwenbrunnen
Isfahan
p4mm