Salvador Dali - Butterfly Landscape
The Great Masturbator in a Surrealist Landscape with D.N.A.
Kunst der Wissenschaft, Wissenschaft in der Kunst
Wer sich mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft beschäftigt,
kommt an Salvador Dalí nicht vorbei. Der Exzentriker mit dem gezwirbelten
Schnurrbart à la Diego Velasquez interessierte sich für wissenschaftliche und
technische Errungenschaften wie nur wenige Künstler vor ihm. Seine den
Zeitbegriff symbolisierend, zerfliessenden Uhren (1931), sind Legion, seine
Atompilze in "Die drei Sphinxe von Bikini" (1947) und seine Holographiebilder
(1970er) weniger. Einige Zeit ging er sogar unter die Parfummacher.
In diesem Gemälde (1957) geht es um die Molekularbiologie, genauer gesagt um
die Desoxyribonukleinsäure, vulgo DNA. Dalí stellt hier seine Sicht der
Doppelhelix dar, deren Strukturmodell von Watson und Crick nur wenige Jahre
zuvor (1953) in einem kurzen Nature Artikel vorgestellt und 5 Jahre nach Dalís
Gemälde vom Nobelpreis für Physiologie/Medizin (1962) gekrönt wurde. Man
muss es Dalí lassen, er hatte unter den Künstlern als erster die Signifikanz dieser
Entdeckung erkannt und sie in einem Kunstwerk verewigt.
Wie von einem Hauptvertreter des Surrealismus zu erwarten, zeigt er in seinem
Gemälde nicht nur Reales wie die von Schmetterlingen umschwirrte Doppelhelix,
sondern auch ein irreales Gebilde, das er im Untertitel als "Great Masturbator"
bezeichnet, und sein Gesicht sein könnte (oder ist es ein riesiges Spermium?).
Man kann nicht umhin die ganze Komposition sowohl als Symbol der
Metamorphose anzusehen (Schmetterlinge), gewissermaßen als Essenz alles
Lebens, als auch Symbol des Beständigen, ausgedrückt durch das DNA-Molekül
als Träger der Gene, deren lebenserhaltende Rolle von den Wissenschaftern in
ihrer Arbeit trocken wie folgt beschrieben wurde: "It has not escaped our
notice that the specific pairing we have postulated immediately suggests a
possible copying mechanisms for the genetic material". Kunst der Wissenschaft,
Wissenschaft in der Kunst.
Nicht verwunderlich, dass Dali von der Idee der “Mona Lisa of modern science
(Nature) gefesselt war und sie künstlerisch umsetzte. Dass er ein Bruchstück des
quasi-unsterblichen Moleküls aus den Wolken fallen ließ, um auf dessen
himmlischen Ursprung hinzuweisen, ist eine von manchen nur zu willig
aufgenommene Spekulation.
Die ikonische DNA-Struktur erscheint mehrmals in Dalis Werken, etwa in
Galacidalacidesoxyribonucleicacid (1963). Auch andere Künstler griffen sie auf,
aber erst viel später, etwa Cortada, Chihuli und Hirst, gingen jedoch in ihrem
Anspruch nicht über die Ästhetik hinaus. Ganz allgemein sind Spiralen beliebte
Motive unter Künstlern, etwa bei Hundertwasser.
Ironie der Geschichte : vor Kurzem (2017) verkündete eine Spanierin, ihre Mutter
habe ein Jahr vor ihrer Geburt (1956) eine Affaire mit Dalí gehabt. Sie überzeugte
einen Richter in Madrid, einer Exhumierung des Künstlers zuzustimmen, um
mittels DNA-Test seine allfällige Vaterschaft von ihr zu klären. Der Test fiel negativ
aus. Der grosse Masturbator hat seine DNA offenbar wo anders hinterlassen.
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