Farbcode der Brüder Bauer (Josef, Franz, Ferdinand)
mit Zahlen gemalt im königlichen Botanischen Gartens von Madrid
Die Gebrüder Bauer aus Südmähren zhlen zu den berhmtesten
naturhistorischen Zeichnern und Malern aller Zeiten. In den 1770er
Jahren fertigten sie inmitten der Liechtensteinschen Besitzungen
(Feldsberg) eine Unzahl von Pflanzenbildern für die Enzyclopädie Liber
Regni Vegetabilis an, und trugen damit wesentlich zum Codex
Liechtenstein bei, einem wichtigen Nachschlagewerk mit mehr als 3.000
botanischen Zeichnungen der heute im Bestand des
Liechtensteinmuseums ist.
Unter der Brüderschaft wird Ferdinand manchmal als der "Leonardo der
naturwissenschaftlichen Illustration" bezeichnet, denn er hielt als erster
Europäer Australiens einzigartige Tier-und Pflanzenwelt in tausenden
Zeichnungen detailliert fest. Die Farbfotografie war ja noch nicht
erfunden. Ferdinand nahm 1801 als wissenschaftlicher Zeichner an der
Matthew Flinders Mission nach Australien teil. Dort angekommen
bediente er sich der breits erprobten Technik der selbst angefertigten
Farbtafeln mit Nummerncode zur getreuen Farbwiedergabe. Er begann
seine Bilder als Bleistiftskizzen und versah diese mit zahlreichen
Nummern, welche auf die Farben dieser Tafeln hinwiesen.
Codex Liechtenstein
Bauer Farbtafeln Madrid
Dieser Vorgehensweise hatte einen einfachen Grund: abgesehen von
den in beschränkter Zahl an mitgenommenen Farbpigmenten hätte die
Herstellung farbiger Illustrationen vor Ort zu viel Zeit in Anspruch
genommen, daher arbeitete er lieber mit einem Farbcode und beendete
die Bilder nach der Reise.
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der entzückende Kleine Fetzenfisch
(Phyllopteryx taeniolatus) gespickt mit Zahlen rund herum. Da der
Farbcode rund 1000 Nummern umfasste, erlaubte er feinste
Farbschattierungen. Leider sind die Original-Farbtafeln Ferdinands aus
Australien verschollen, aber frühere Farbtafeln sind heute in den
Archiven des Königlichen Botanischen Garten von Madrid (vide infra) und
in Liechtenstein/Wien aufbewahrt.
Erst im Jahre 1805 kehrte Ferdinand Bauer nach England zurück, im
Gepäck 11 Kisten mit 1.542 Zeichnungen von australischen Pflanzen, 180
von Pflanzen der Norfolk Inseln und über 300 von Tieren. Die nächsten
fünf Jahre arbeitete er an seinem Werk Illustrationes Florae Novae
Hollandiae. Infolde der Napoleonischen Wirren musste er diese in Oxford
allerdings selbst publizieren, leider ohne finanziellen Erfolg. 1814 kam
Bauer nach Wien zurück, wo er in ein kleines Haus in Hietzing in der
Nähe Schönbrunns zog und 1826 dort starb.
Farbtafeln verwendeten am Ende des 18 Jahrhunderts auch andere
naturhistorische Zeichner, etwa der Brite Sydney Parkinson (1745-
1771) oder der aus dem Habsburgischen Böhmen stammende
Thaddäus Haenke (1761-1816), auch „österreichischer Humboldt
genannt. Letzterer nahm in spanischen Diensten an der Alessandro
Malaspina di Mulazzo Expedition im Pazifik teil (17891794), und
erwarb dafür Farbcodes der Bauer-Brüderschaft um sie weiter zu
entwickeltn. Nach seinem frühen Tod kamen diese in spanischen
Besitz, und wurden erst 1999 im Archiv des Real Jardin Botánico
wiederentdeckt.
Malen mit Zahlen gibt es inzwischen auch für Kinder zum
spielerischen Ausfüllen von vorgezeichneten Konturen, und Farbtafeln
werden routinemäßig zum Erkennen von Sehschwächen verwendet.
Besonders interessant ist aber das Projekt: "Painting by numbers"
des DX Lab der State Library of New South Wales welches online
erlaubt Ferdinand Bauers Arbeiten interaktiv mittels Farbtafeln zu
untersuchen. Nicht überraschend, denn der Maler und Zeichner wird
vor allem in Australien sehr geschätzt.