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Das Münchner Standesamt
Ferdinand Petzl - Begrüßung des Brautpaares
Ferdinand Petzls Gemälde ist nicht leicht einzuordnen. Dazu zwei
Vorbemerkungen.
1. Eine fast identische Version des Gemäldes ist im Bestand des
Stadtmuseum München (WVZ FP-G1). Es hat leicht verschiedene
Dimensionen und ist mit "Petersplatz mit Kleinem Rathaus» betitelt. Blick in
östl. Richtung, rechts Portal der Kirche St. Peter, welche die Mitte des
Petersplatzes darstellt. Das Kleine Rathaus grenzte an den Turm des Alten
Rathauses. Während Turm und Altes Rathaus im Zweiten Weltkrieg schwere
Beschädigungen erlitten, wurde das Kleine Rathaus komplett zerstört.
2. Als Ferdinand sein Bild Begrüßung des Brautpaares malte (späte 1850er
Jahre), gab es in Deutschland noch nicht den Begriff einer Zivilehe. Eine
solche wurde zunächst 1874 in Preußen, und ein Jahr später im ganzen
Reich als rechtlich bindend eingeführt (Bismarck). Die Bilder Ferdinands
enstanden also vor der Einführung der standesamtlichen Trauung. Sie
zeigten eine kirchliche Trauung, die in St. Peter vor dem Standesamt
stattfand (siehe wartende Kutsche rechts vor dem Ausgang der Kirche).
Version Stadtmuseum
Version KY
Lageplan
2
A. H. um 1910
1900
Ein Standesamt der Bezeichnung Standesamt I der Kgl.
Haupt- und Residenzstadt München gab es erst seit 1891.
Interessant dazu sind die Ansichten des Gebäudes nach
der Zeit Petzls. Jene aus dem Jahr 1880 von Otto von
Ruppert („Das alte Standesamt im Kleinen Rathaus am
Petersbergl”) zeigt die Sicht die sich Petzl geboten hätte,
wäre er rechts hinter der Kirchenecke gestanden. Man
sieht darauf den kompletten Rathausturm und das
geschwungene Dach.
Um 1900 entstand dann ein Foto “Das Kleine Rathaus“ mit
wartenden Kutschen davor (Foto: Stadtarchiv München).
Es war um diese Zeit umgebaut geworden und wurde 1910
von einem gewissen A.H. gemalt (“Standesamt München”)
als dieser noch Postkarten malte*). Der Eingang ist klar
erkennbar.
Für eventuelle Besucher des heutigen Petersplatzes gibt es
einen Lageplan.
*) Leider wurde A.H. nicht in die Wiener Akademie aufgenommen, sonst
wäre der Welt viel erspart geblieben.
Von Ruppert 1880
Petzl 1850er Lageplan
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Und jetzt zum familiären Bezug von Ferdinands Gemälde.
Seit dem Kauf seines Bildes verbrachte ich viel Zeit, um
meine familiäre Korrespondenz zu sichten.
Dabei kam es zu einer verblüffenden Einsicht. Sowohl meine
Urgroßmutter Meta Petzl als meine Großmutter Kunigunde Richter
heirateten ihre Männer im selben Münchner Standesamt, das
Ferdinand ca 30 bzw. 50 Jahre davor malte (WVZ FP G1).
Am 10. 5. 1882 ehelichte Meta Petzl ihren Siegmund Richter, und am
23. 3. 1911 ehelichte deren zweite Tochter Kunigunde Richter den
französischen Leutnant Paul Yvon.
Damit wurde der Grundstein der Yvon Sippe ausserhalb Frankreichs
gelegt.
Paul und Kunigunde gaben sich das Ja-Wort zunächst im Trausaal des
«Standesamt I der Kgl. Haupt- und Residenzstadt München», und
wurden dann kirchlich getraut, und zwar in der nicht weit entfernten St
Paul Kirche, weils zum Namen des Bräutigams so gut passt;-)
Trausaal