Vincent van Gogh - Schlafzimmer in Arles
Wissenschaft im Dienst der Kunst: die Vergänglichkeit des Rots von Cochenille-Läusen
Version III Orsay
Als Vincent van Gogh seine Wohnung in Arles bezog war er darüber so
glücklich dass er sein neu eingerichtetes Schlafgemach gleich öfters malte.
In den Jahren 1888 - 1889 entstanden so drei fast identische Versionen. Alle
zeigen das Zimmer aus derselben Perspektive –mit Bett, Stühlen, Tisch,
Fenster und Bildern an den Wänden. In einem Brief an seinen Bruder Theo
beschrieb er die Farben dieser drei Versionen präzise: gelbe Möbel, rote
Tagesdecke, violette Türen und blass lilafarbene Wände. Seither sind über
100 Jahre vergangen und die Gemälde befinden sich derzeit in Amsterdam
(Version I, 1888), Chicago (Version II, 1889) und Paris (Version III, 1889).
Allen gemeinsam ist, dass sich ihre Farben signifikant verändert haben. Die
ursprünglichen blass lilafarbene Wände sind heute blau.
Was war geschehen? Die Antwort ist in ihrer Einfachheit fast bestürzend:
die Farben waren über die Jahre hinweg gealtert. Dies wurde von Forschern
des Art Institute of Chicago bewiesen indem sie "ihre" Version II genauer
untersuchten. Dazu verwendeten sie die Röntgenfluoreszenzanalyse, um
der Natur der verwendeten Pigmente und deren Zusammensetzung auf die
Schliche zu kommen. Die Forscher entnahmen winzig kleine Proben blauer
Farbe aus den gemalten Wänden und untersuchten sie am Synchrotron,
einer genügend lichtstarken Röntgenquelle für so kleine Probenmengen.
Version I Amsterdam