Mark Rothko - Black on Maroon
Vom Restaurant ins Museum
Das dunkle, in kastanienbraunen Farben gehaltene Gemälde
entstand 1958 als eines von sieben Auftragswerken für das New
Yorker Nobelrestaurant Four Seasons im Seagram Building
(entworfen von Mies van der Rohe). Die im Stil des abstrakten
Expressionismus ausgeführte Black on Maroon Serie von
Mark Rothko besteht aus Bildern mit verschieden getönten braunen
Farbflecken, unterbrochen von schwarzen Vierecken in wechselnder
Form, die entfernt an Fensterrahmen erinnern. Sie wurden als Teil
der "Seagram murals" bekannt und umfassen insgesamt 31 Werke.
Rothko nahm den Auftrag an weil er hoffte seine großformatigen
Gemälde könnten im überaus geräumigen Esssaal "miteinander in
Dialog treten". Wie es bei Künstlern üblich ist, wechselte er während
der Arbeit seine Meinung, und begann die geplante Installation
kritisch zu hinterfragen. Ist ein Restaurant wirklich der geeignete
Platz für Kunst? Er kam zum Schluss es wäre nicht der richtige Platz,
und formulierte seine Aversion wie folgt “I hope to ruin the appetite
of every son of a bitch who ever eats in that room.” Schliesslich
entschloss er sich vom Auftrag zurückzutreten, den Vorschuss
zurückzuzahlen und die Gemälde für sich zu behalten.
Restaurants
Aber nicht für lange. Im Jahr 1968 spendete er eines der Black on
Maroon 1958 Serie der Tate Gallery in London (Tate T01031). Acht
weitere Gemälde folgten 1969, ein Jahr vor seinem Freitod, darunter
das oben abgebildete Tate T01166. Am Tag seiner Überstellung nach
London (1970) kam aus New York die Nachricht dass Rothko tot in
seinem Studio aufgefunden wurde. Seine Depressionen hatten
überhand genommen. Sie kamen in seinen immer dunkler werdenden
Gemälden zum Ausdruck.
Damit zerstreuten sich die "Seagram murals" über drei Kontinente:
London’s Tate Gallery, Japan’s Kawamura Memorial Museum and the
National Gallery of Art in Washington, D.C. In London erhielten sie
einen eigenen ‘Rothko Room’ in dem die Gelde in abwechselnden
Kombinationen ausgestellt wurden.
Im Jahr 2012 kam es dort zu einem folgenschweren Akt des
Vandalismus. Ein Pole namens Wlodzimierz Umaniec beschrieb mit
schwarzer Graffiti-Tinte einen 30 cm grossen Bereich in der rechten
unteren Ecke des Tate T01166 Geldes mit den Worten "Vladimir
Umanets 12 A potential piece of Yellowism. Er war der Auffassung
damit ein neues Kunstwerk geschaffen zu haben. Vor der BBC meinte
er "I'm not a vandal" und verglich sich mit Marcel Duchamp.
Da die Graffiti-Tinte besonders schwer zu lösen war, dauerte
die Restauration 1.5 Jahre. Rothkos Gemälde sind bekannt
schwer zu restaurieren weil der Künstler sie in komlexen
Schichten aus aus Öl, Pigmenten, Harzen, Klebestoffen and Ei
anfertigte. Der Wert des Gemäldes wurde von Sothebys auf 5-
9 Millionen £ geschätzt. Heute handeln sich Rothkos dieser
Grösse um die 40 Millionen $.
Der Täter wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die
Gemälde können zum Glück weiterhin frei besichtigt werden.
Der Direktor der Tate Gallery meinte: "Its important for us not
to turn Tate into Fort Knox. This is a gallery not a prison.”