Marc Chagall- Le violoniste bleu
Ein Fiedler in den Schweizer Voralpen löst sich in Luft auf
Das Bild zeigt einen Fiedler der im Mondlicht auf einem
Stuhl über den Dächern schwebt. Zwei Vögel sitzen auf
ihm und scheinen ihm andächtig zuzuhören. Musik und
Musiker gehörten zu Chagalls bevorzugte Bildinhalten. Er
hatte schon früher einen "Violoniste bleu" in Guache
(1929), und einen Violiniste vert(1924) in Öl gemalt,
allerdings ohne Vögel.
Musik scheint auf Maler überhaupt eine besondere
Wirkung auszuüben, denn viele spielen bzw. spielten
selbst ein Instrument, wie etwa Paul Klee. Nicht
verwunderlich dass beide Kunstarten eng miteinander
verflochten sind. Musikinstrumente ziehren schon seit
jeher Bilder, von der Antike bis zur Moderne, und Musik
selbst wird oft zum Bildinhalt, etwa bei den Tonbildern
des Adolf Wlfli (1920er Jahre), der Pastorale von Paul
Klee (1927), dem Tierkonzert von Oskar Laske (1950),
dem "Unravelling Bolero" von Anne Adams (1994) bis
hin zu den "Klangbildern" von Edith Temmel (geb. 1942).
Le violoniste
vert 1924
Violoniste
Bleu 1929
Musik
Chagalls "Violoniste bleu" war Teil der Sammlung von Basil
Goulandris, einem griechischen Reeder, der sich in den
1960er Jahren mit seiner Frau Elise in Lausanne
niederliess. Als er 1994 starb, und seine Frau sechs Jahre
später, löste sich ein Grossteil der Sammlung von 83
Werken im Wert von geschätzten 3 Mia. $ in Luft auf. In
einer Güteraufstellung des Zivilgerichtes aus dem Jahr
2001 tauchten sie jedenfalls nicht mehr auf.
Aspasia Zaimis, eine der Nichten von Elise Goulandris,
focht den Nachlass ihrer kinderlosen Tante an, weil er
ihrer Meinung nach unvollständig sei und sie glaubte, ein
Recht auf einen Teil der Bilder zu haben. Die Lausanner
Staatsanwaltschaft hatte schon 2008 wegen Verdachts auf
Steuerhinterziehung mit Hausdurchsuchungen begonnen,
um nach Spuren der Bilder zu suchen oder zumindest nach
Verträgen oder Urkunden, die ihr Versteck verraten
könnten. Sie wurde allerdings bis heute nicht fündig. Das
schien sich mit der Publikmachung der Panama-Papiere
schlagartig zu ändern.
In der aufgedeckten off-shore Kanzlei namens Mossack
Fonseca fanden sich sehr wohl Spuren der Gemälde.
Offenbar waren sie schon 1985 an eine
panamanemische Offshorefirma namens Wilton
Trading S.A. verkauft worden, welche 2005 begann
über Mossack Fonseca Bilder zu veräussern. Zu diesem
Zweck wurden mehrere andere Offshorefirmen
gegründet, die nach dem Verkauf der Bilder gleich
wieder aufgelöst wurden, also offensichtlich nur dem
Verkauf dienten.
Der Violoniste bleu war auch dabei. Er wurde durch
eine Firma namens Talara Holdings bei Sothebys in
London versteigert.
An wen? Rätsel.
Wo ist er jetzt? Unbekannt.
Gesichert ist nur dass der Fiedler zur Zeit des Fotos im
Chalet der Goulandris in Gstaad hing.
Chalet Goulandris Gstaad, Jahr unbekannt