Wien 1967
Promotion ohne Fakultätsbilder
Universität Wien
Wien 1967
1967
Meine Promotion zum Dr Phil.*) in Physik (cf Annonce) fand unter der Gemäldedecke des
Großen Festsaals der Uni Wien statt. Dieser Umstand entging mir, denn 1967 waren die
Reproduktionen der Ölgemälde von Gustav Klimt noch nicht montiert.
Nach dem Skandal bei der Präsentation seiner monumentalen “Fakultätsbilder(ca 4 x 3
m) Philosophie, Medizin und Jurisprudenz in den Jahren 1900/1901 war der Künstler vom
staatlichen Auftrag zurückgetreten und hatte die Anzahlung an den staatlichen
Auftraggeber zurückgezahlt (heutiger Wert ca 120.000 €). Der Kunstmäzen August Lederer
half ihm dabei zwar finanziell, aber seine Bilder verbrannten leider trotzdem 1945 im
Schloss Immendorf, das von der SS in Brand gesetzt worden war. Danach gab es nur s/w
Reproduktionen, die aber erst nach meiner Promotion in die Decke des Festsaals eingefügt
wurden (2005). Kürzlich gelang es letztere Computer-gestützt mit Farbe zu versehen,
womit einer Wiedergeburt von Klimts Gemälden nichts mehr im Wege stehen sollte.
Bemerkenswert beim damaligen Kunstskandal” war, dass Klimts Gemälde auch von der
Mehrheit der Uni-Professoren abgelehnt wurden, und zwar aus Gründen seiner
pessimistische Sicht auf den wissenschaftlichen Fortschritt, worauf Klimt erwiderte:“es
entscheidet nicht, wie vielen meine Bilder gefallent, sondern, wem sie gefallen.
Damit hatte er zweifelsfrei Recht. Mit seiner Aktion erwies er zwar der Freiheit der
damaligen Kunst einen nicht zu unterschätzenden Dienst, sein Pessimismus gegenüber der
Wissenschaft war aber überzogen.
*) Titel der Diss: Strukturchemische Untersuchungen an Karbiden und Karbohydriden von Übergangselementen.
Fakultätsbilder
Annonce
Kolorierte Decke