Gold
Himmelsscheibe von Nebra
Eine Bronze aus der Eisenzeit?
Über 3600 Jahre alt soll sie sein, die Himmelsscheibe, und damit ein
einzigartiges Zeugnis der Menschheitsgeschichte. Das Alter situiert sie in
die frühe Bronzezeit Mitteleuropas. Damit wäre sie die weltweit älteste
bisher bekannte Darstellung des Kosmos. Auftraggeber war vermutlich ein
bronzezeitlicher Fürst dem sie als Grabbeilage diente. Auf der
geschmiedeten Metallscheibe mit 32 cm Durchmesser und 2.3 kg Gewicht
erkennt man die Sonne (oder den Vollmond?), die Mondsichel und 32
goldene Sterne, von denen sieben eng beieinander stehen und als
Sternbild der Plejaden gedeutet werden. Das Gold der Intarsien stammt
aus dem Fluss Carnon in Cornwall und die Grünfärbung entstand durch
die Verwitterung (Malachit), wie wissenschaftliche Untersuchungen
zeigten. Besonders apart der Farbkontrast zwischen den Gold-Intarsien
und der grüngefärbten Bronzelegierung, deren Kupferanteil von einer
Mine nahe des Hochkönigs stammt. Das Alter war schwer zu ermitteln
und konnte nur über Begleitfunde und den angegebenen Fundort, nicht
aber über die Scheibe selbst erfolgen.
Entdeckt wurde die Scheibe 1999 bei illegalen Grabungen auf dem
Mittelberg bei Nebra. Drei Jahre später stellte sie die Schweizer Polizei
sicher und verhaftete ein Hehlerpaar in Basel (2002). Heute wird sie
unweit des Fundorts im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt
in Halle ausgestellt. Ihr Versicherungswert beträgt um die 100 Mio. €.
Vor ihrer Entdeckung durchging die Himmelsscheibe einige Veränderungen, die
nicht ganz leicht zu rekonstruieren waren. Dazu gehören die zu einem späteren
Zeitpunkt hinzugefügten "Horizontbögen", sowie eine Schiffsdarstellung, die als
mythisches Element einer »Sonnenbarke« interpretiert wird. Später wurde der
Rand der Himmelsscheibe durchlocht und einer der Horizontbögen entfernt,
oder er ging verloren.
Die wichtigste Neuerung aber kam erst kürzlich zu Tage: Forscher der Universität
Frankfurt berichteten 2020 dass die Datierung der Scheibe möglicherweise
falsch ist. Sie stamme aus der Eisenzeit und nicht der frühen Bronzezeit, wäre
also 1000 Jahre jünger als gedacht. Der Grund dafür wäre, dass sich der von den
Grabräubern angegebene Fundort mittlerweile als falsch herausgestellt hat, und
damit alle bisherigen Schlüsse in Frage gestellt werden. Der Bericht wurde zwar
von anderen Experten zurückgewiesen, zeigt aber die Schwierigkeiten, die bei
der Datierung von archäologischen Objekten ausschliesslich über Begleitfunde
oder geologische Daten auftreten können.
Eine 1000 Jahre jüngeres Alter würde den künstlerischen Wert der
Himmelsscheibe nicht verringern, sicher jedoch ihren Ausstellungs- und
Versicherungswert. Ob es den Verkaufspreis für die angefertigten Kopien auf
Halbketten und Broschen (knapp 300 €) im Besucherzentrum auch drückt, wird
sich zeigen.
KY 2020
Kosmos