Immer wieder umkreist Kiefer die Frage, inwiefern Grenzen etwas bloß Fiktives sind. Trotz
aller scheinbaren Vergilbtheitsromantik der Motive (durch malerische Überarbeitung
verstärkt) eine zeitgemäße Frage. Zeitlos ist aber auch eine Serie, die ab 1990 entstand
und zu den Highlights gehört: Kiefer beschäftigte sich darin mit Mystik und den Schriften
von Robert Fludd.
Der Renaissancegelehrte interessierte sich für die Analogie zwischen Mikro- und
Makrokosmos, Mensch und Universum. In Kiefers minimalistischem Sternenhimmel
führt eine einzelne Linie zu einem Menschen "herunter". Einerseits korreliert dabei die
Idee, wir seien die Membran zwischen Mikro- und Makrokosmos mit dem Thema
Grenzfluss. Anderseits scheint ein Mikro-Makro-Verhältnis auch unsere Beziehung zu
Kiefers monumentalen Formaten zu bestimmen
http://derstandard.at/2000033124170/Anselm-Kiefer-An-der-Grenze-zwischen-Mikro-und-Makrokosmos
Damit aber will Kiefer nichts zu tun haben, erst recht nicht nachträglich. "Die behandeln
mich wie einen toten Künstler", sagte er der "Süddeutschen Zeitung", und dass er sich
wie "vergewaltigt" fühlte. Chinas soziale Medien ergriffen Partei für ihn. "Mordfall in der
Zentralakademie", steht über einem tausendfach kopierten Onlineaufsatz. Die
Ausstellung sei eine Untat, die an dem noch lebenden Kiefer verübt werde. "Jeder
Künstler kann seine Wut nachempfinden.“
http://derstandard.at/2000048131961/Anselm-Kiefer-Ausstellung-in-China-Uns-ist-das-alles-sehr#posting-1016622537
Anselm Kiefer: An der Grenze zwischen Mikro- und Makrokosmos