Legende 2: Bei der Entscheidung, die Ponte Vecchio zu erhalten, habe
Hitler höchstpersönlich eine Rolle gespielt. Es wird suggeriert, dass ihn die
Brücke bei seinem Besuch 1938 (als ehemaliger Postkartenmaler) so
beeindruckt hat, dass er von ihrer Zerstörung absah.
Dieses G‘schichterl ist für einen Feldherrn, dem damals das Arnowasser
bis zum Mund stand, höchst unwahrscheinlich, und es gibt keinen Beweis
dafür. Tatsache ist, dass sich der deutsche Konsul Gerhard Wolf und sein
Schweizer Kollege Carlo Steinhauslin mit Erfolg für den Erhalt der Brücke
eingesetzt haben (siehe Gedenktafel für Wolf, Steinhauslin bekam keine).
Wie sie es schafften, bleibt ein Rätsel. Die Situation erinnert an den
Stephansdom in Wien, der in den letzten Kriegtagen 1945 von der
deutschen Wehrmacht hätte zerstört werden sollen, wobei sich ein
gewisser Hauptmann Klinkicht dem Befehl widersetzte (auch er bekam
eine Gedenktafel). Hitler wollte übrigens zur selben Zeit wie in Florenz
(Aug. 1944) auch in Paris sprengen (alle Seinebrücken und
Sehenswürdigkeiten, der wackere von Choltitz widersetzte sich jedoch).
Bleibt die Frage, wann und zu welchem Anlass der ‚Herrscherblick’ vom
Ponte Vecchio zu seiner heutigen Breite ‚demokratisiert’ wurde. Es muss
in der Nachkriegszeit gewesen sein… Ende der Legende. (KY Mai 2019)
Klinkicht Gedenktafel am S-Turm des
Stephansdoms (Wien)
Wolf Gedenktafel auf der Vecchio Brücke
Florenz Besuch
April 2019