Lovis Corinth –Das Homerische Gelächter
Ehekrach unter Göttern
Es ist nicht leicht Götter zum Lachen zu bringen. Corinth zeigt hier eine mythologische
Begebenheit aus Homers Odyssee. Grund für das »homerische Gelächter« war der Ehebetrug der
Aphrodite (Venus) mit dem Kriegsgott Ares (Mars). Ihr Ehemann Hephaistos (Vulkan) entdeckte
die beiden in flagranti, fing sie mit einem unsichtbaren, aus Blitzen bestehenden Netz ein, und
brachte dies über dem Ehebett an. Dann rief er die übrigen Götter dazu, die in ein lautes, nicht
enden wollendes Lachen ausbrachen, eben das Gelächter, das Homer in der Ilias (I, 599) und
der Odyssee (VIII, 326) die Götter anstimmen lässt (Le rire homérique). Auch Ovid nahm sich
dankenswerterweise des Themas an. In seinen Metamorphosen schimmern sogar Neid und
Mißgunst der Götter durch.
Ein gelungenes Werk. Gott Ares schaut tatsächlich betropetzt aus seiner (unsichtbaren) Wäsche.
In einer zweiten Fassung (in Privatbesitz) fügte Corinth noch die klärende Inschrift »jetzo stunden
die Götter, die Geber des Guten, IM VORSAAL! UND ein langes Gelächter erscholl bei den seligen
GÖTTERN” hinzu.
Eigentlich keine elegante Art ein Liebespaar dem öffentlichen Gespött preiszugeben, aber so
waren sie halt, die damaligen Götter. Tintoretto hatte eine diskretere Art dieses Thema zu
behandeln, obwohl auch sein Ares, unterm Bett versteckt, über den ihn anbellenden Hund nicht
sehr glücklich dreinschaut.
Tintoretto-Vulkan