Wien 2018
Der Muse reichts
2018
Wien 2018
Am Boden des Arkadenhofs der Universität Wien verlegte Iris Andratschek-Holzer*) den
Schatten einer Frau in protestierender Haltung mit geballter Faust unter dem
Kastaliabrunnen. Damit thematisierte sie das Geschlechterverhältnis an der Universität, das
zu ihrer Zeit (2009) noch immer unausgewogen war.
Auslöser für Andratschek-Holzes Groll war die Ehrungspolitik hervorragender
Wissenschafter und Wissenschafterinnen: bis 2009 standen in den Bogengängen des
Arkadenhofs ausschliesslich Männer-Büsten (über 150), jedoch nur eine einzige Gedenktafel
für eine Frau, Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916).
Damit wurde dieses Ungleichgewicht gewissermaßen publik. Dass Andratschek-Holzer die
Nymphe (Najade) Kastalia als “Muse” bezeichnete, sei ihr gestattet.
Inzwischen eroberten sechs weitere Frauen den Arkadenhof, darunter die Kernphysikerin
Lise Meitner, und die Radiumforscherin Berta Karlik, Österreichs erste ordentliche
Professorin. Letztere war meine Prüferin im Nebenfachrigorosum Physik. Sie gab mir ein
«sehr gut», vermutlich weil ich Krawatte und Handkuss nicht verg
Kunst als Mittel um den Anspruch der Frauen auf Gleichbehandlung auf universitärem
Boden einzufordern, ist selten aber durchaus legitim.
Das Foto zeigt uns vor dem Schloss Schönbrunn wo wir bei Freunden mit Marie-Thérèse
zum Abendessen eingeladen waren.
*) Tochter des Fotografen in Horn der unser Maturafoto knipste