Die um 1900 entstandene Brunnenfigur der Kastalia war für
lange Zeit die einzige Frauendarstellung im Arkadenhof. Als
Quelle der Hüterin der Wahrheit und Weisheit war sie eine
Sehenswrdigkeit Wiens, welche die Weisheit jener Männer
zum Ausdruck brachte, deren Denkmäler sie umgeben. Der
Arkadenhof selbst stand im Bezug zum antiken Campo Santo,
einer „Ruhmeshalle“ universitrer Tradition, wie sie der
Erbauer des Wiener Universittsgebudes Heinrich von Ferstel
geplant hatte. Der Arkadenhof des nach dem Vorbild des
Palazzo Farnese in Rom entworfene Bau im Renaissancestil des
Humanismus sollte dem Nachruhm ausgewhlter
Universittslehrer vorbehalten sein.
Hier hakt die Künstlerin ein, als sie ausrief: "Der Muse reicht’s
—und das schon seit langem", und hinzufügte "Das
Spannungsverhältnis zwischen den Männer-Büsten und dieser
einzigen Frauendarstellung durch Kastalia hat mich besonders
interessiert. Umringt von den ganzen Männern thront inmitten
des Hofes eine einzige Frau: Kastalia, die Muse”
Von der Symbolik her ist es ihr künstlerisch gelungen, den
Anspruch der Frauen auf Gleichbehandlung auf universitärem
Boden eindrucksvoll einzufordern.